Mehr Sozialdemokratie wagen. Wahlkampfauftakt von Johannes Fechner in Lahr

Veröffentlicht am 24.06.2009 in Presseecho

Johannes Fechner & Gernot Erler

LAHR. Ein zuversichtlicher junger Kandidat, ein prominenter Redner, keine drei Dutzend Zuhörer und einige etwas ratlose Genossen: Wahlkampfauftakt der Lahrer SPD. Johannes Fechner trotzt der Krise und will nach 2005 erneut versuchen, einen Sitz im Bundestag zu erobern. Und so, wie er redet, scheint er überzeugt zu sein, dass er es dieses Mal schaffen kann.

Das rot unterlegte Plakat mit dem jungenhaften Porträt Fechners hängt an der hölzernen Wand im Nebensaal der Dammenmühle, neben der zwei Meter hohen Standuhr mit ihren zwei gedrechselten Säulen. Der junge Politiker (36) und der verschnörkelte Chronometer kommen aus verschiedenen Zeiten. Fechner redet flott, ist selbstbewusst, spult in wenigen Minuten sein "glasklares Programm" herunter (soziale Marktwirtschaft statt neoliberaler Ansätze), und macht trotz des miesen Abschneidens der SPD bei der Europawahl in Optimismus. Halte die SPD ihr Ergebnis von 2004, seit er (Fechner) mit Platz 24 auf der Landesliste im Parlament. Und wenn’s ganz gut läuft, und die Grün-Wähler ihm ihre Erststimmen geben ("Der Bonde will die Erststimme gar nicht"), dann könnte es fürs Direktmandat reichen. Ein paar Sprüche hat er auch parat ("Hannes und die Bürgermeister", "Hannes, der kann es").

Und doch erinnert sich mancher altgediente Sozialdemokrat an diesem Abend gern an jene Zeiten, als Standuhren noch verbreiteter waren und die SPD mit Slogans wie "Willi wählen" punktete. Wolfgang Miessmer zum Beispiel, der in den 70er Jahren zweimal für den Landtag kandidiert hatte. Er bemängelte, dass der SPD eine gute Kampagne fehlt und dass sie die Arbeitnehmer nicht mobilisiere. "Warum verkaufen wir uns so schlecht?", fragte ein anderer, schließlich mache die SPD doch eine gute Arbeit. Es merkt nur keiner. Fechner will das mit einer Reihe von Veranstaltungen in Lahr ändern. Aber wie soll man dies didaktisch in kurzer Zeit umsetzen, will Alt-Landtagsabgeordneter Walter Caroli wissen und fordert eine Zuspitzung auf die wesentlichen Unterschiede.

Für die Mobilisierung der Wähler will Gernot Erler, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und Bundestagsabgeordneter, mit seinen Genossen in den verbleibenden 96 Tagen bis zur Wahl hart arbeiten. Er spricht von der Bedeutung der Solidarität, und dass die Bereitschaft dazu bei vielen noch sehr verhalten sei. Die Krise sei eben noch nicht überall angekommen. Dabei wären die Bürger fahrlässig, würden sie sich in der Krise eine schwache SPD leisten, meint Erler.

Als Außenpolitiker lobt er seinen Chef und Kanzlerkandidaten Steinmeier und die, wenn auch etwas ruppige, Kritik des Finanzministers an Steueroasen. Und natürlich dürfen einige Sätze zum Iran nicht fehlen. Die internationalen Proteste gegen die Wahlmanipulation und die Gewalt gegen Demonstranten seien richtig. 85 Prozent ("staunenswert") der Iraner seien zur Wahl gingen. Die Leute demonstrierten trotz hohen Risikos und wollten wissen, wo ihre Stimmen geblieben sei. Da stimmten 40 Prozent Wahlbeteiligung bei der Europawahl sehr nachdenklich.

Quelle: Badische Zeitung

 
 

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